biographie

Unbenannt

1991

Matthias M. arbeitet als DJ in der schuleigenen Disko.


1992

Er entdeckt die Hiphop-Musik für sich über die Tracks:

House of Pain „Jump Arround“ (MTV) & Arrested Development „Mr. Vendal“ (BRAVO-Sampler).

Er schaut regelmäßig am Sonntag die New Yorker Kult-Sendung “YO! MTV Raps” und hält die Videos auf VHS fest. Es ist damals als Youngster in Weimar nicht leicht an die Musik heranzukommen – schon gar nicht auf Schallplatte. Der Musikladen “Steinhaus” (Am Graben) hat jedoch eine kleine Auswahl.


1993

Matthias M. ist begeistert von der Musik und dem Lebensgefühl des Raps. Der Hiphop-Flavour hat ihn gepackt! Schnell war für ihn klar – er will mehr als nur Hiphop hören, er will es Leben. In Weimar kann man die Rap-Fans, kurz nach der “Wende”, an zwei Händen abzählen. Hiphop-Aktivisten gibt es – bis auf einige Gelegenheits-Writer – nicht. Er bekommt von einem Bekannten die 12“ Young Black Teenagers „Tap to the Bottle“ geschenkt und kommt über diesen mit einer Hiphop-Verbindung aus der „Gerber“ zusammen, die „Snickaz“. Er lernt mehr über Hiphop und beginnt aktiv zu werden. Zunächst als Graffiti-Writer unter dem Pseudonym „Sake“.

Erster kleiner Auftritt als Hiphop-DJ beim „Gerber Hiphop Slam“ in Weimar, noch mit CD-Playern. Er beginnt sich Vinylscheiben über die Mailorder „Crazy Large“ und „Frontline“ zu kaufen und fängt an seine DJ-Skills zu tranieren.

Er lernt Ronny G. (Snickaz) kennen. Gemeinsam schreiben sie Rap-Texte, malen Bilder, fahren auf Jams und stellen mit „Die Klinge“ (Jena) und „T-Horst-N“ (Snickaz) eine kleine Band zusammen. Die Klinge und T-Horst-N verlieren die Lust am Proben. Zum Jahresende gründen Matthias M. und Ronny G. die Rap-Formation „East Domestic“. „MC Shame“ und „Ar-Gee“ proben in einem Kellerraum in der Breitscheidstraße, zunächst über fremde Instrumentals. Erste Auftritte in der Gerber und bei einer Jam im „Mon Ami“ (Weimar) finden statt, u.a. mit STF (Köln), Asiatic Warriors (Frankfurt), „Wendelin MC“ (Jena), „Ghettno Posse“ (Jena), „Little Poets“ (Jena) und Spike (Jena). Leipzig war in the House (u.a. die legendäre SOC Writer-Crew).


1994

Aktiv als Writer unter den Namen „Scum“ und „Two“ („STS-Crew“).

„Die Klinge“ stellt den Kontakt zu „Smoking Joe“ (DJ, Blue Night, Jena) her, der East Domestic von da an produziert und bei Auftritten als DJ zur Seite steht. Mehrere Tracks, u.a. „Hamlet“ entstehen in diesem Jahr. East Domestic ging Übersee und hat mehrere Auftritte in Londoner Clubs, U.K.. Ein Auftritt als Vorband von Simply Red wäre um ein Haar geglückt.

MC Shame hat seine ersten Auftritte als DJ Shame in den Clubs „JC Waggong“ und „SC Jakob“ (Weimar). Zu dieser Zeit legt im Waggong noch regelmäßig „Chris“ (Hof) auf. „Hiphop-Guido“ und seine Breakdancer zeigen zwischendrin ihre Moves.


1995

Aktiv als Writer unter den Namen „Two“ („STS-Crew“) und „Oral“ („SBA-Crew“ und „Das Mosaik“ aka „MOK“).

East Domestic produziert die Songs „Top Secret“ und „Partyzeit“. „Top Secret“ wird von „Halb 7 Records“ (Dessau) gesignt und landet auf dem Ost-Hiphop Kult Sampler „Pioniermanöver II“. Einige Auftritte folgen, u.a. Jakob mit „Advanced Chemistry“ und „Boulevard Bou“ (Heidelberg).

DJ Shame etabliert sich in Weimar und übernimmt mit „Piet“ (DJ, Weimar) die Veranstaltung der Hiphop-Parties im JC Waggong. Er legt weiterhin regelmäßig im SC Jakob auf. Smoking Joe erkennt sein Talent als DJ und bringt ihn mit dem „Kassablanca“ (Jena) zusammen. Joe hat bis dato die Hiphop-/Soul-/Funk-Veranstaltungen im Kassablanca organisiert und selbst aufgelegt. Er plant zu dieser Zeit eine regelmäßige Aufleg-Veranstaltung für das Kassablanca. Damals gilt Hiphop fast ausschließlich als Live-Musik und DJs legen meist nur auf Jams auf – also eine Neuheit! Zu dieser Zeit versuchen sich – ebenso wie DJ Shame – zwei Nachwuchs-DJs aus Jena am Plattenteller, „Ilja“ und „Legeres“. Sie lernten sich kennen und gründeten zum Ende des Jahres die Partyreihe „BOOMSHAKALAKA“, die heute Kultstatus in der thüringer Hiphop-Szene genießt.


1996

Aktiv als Writer unter dem Namen „Oral“ („SBA-Crew“ und „Das Mosaik“ aka „MOK“).

East Domestic hat einen Auftritt im SC Jakob im Rahmen der „Pioniermanöver II – Tour 1995“ mit der EFP ’96 (Erfurt), in welcher Thomas Hübner (heute Clueso) seine erste Bühnenerfahrung sammelt. Danach geht die Band für immer in den Winterschlaf.

Die ersten BOOMSHAKALAKAs finden im Kassablanca Jena statt (damals noch im „Turm“). Gegen Ende des Jahres wird der Lokschuppen (heutiges Kassablanca) eröffnet. Auf einmal stehen die Youngster’s (DJ Shame, Legeres und Ilja) auf einer Konzertbühne und legen vor vielen hundert Leuten auf. Das BOOMSHAKALAKA wächst mit Live-Auftritten von beinahe allen Größen der deutschen Hiphop-Szene zu seiner eigentlichen Größe heran und damit auch DJ Shame. Er legt mittlerweile auch in anderen Städten Thüringens auf, u.a. Erfurt, Ilmenau und Schmalkalden. In Weimar geht es unverändert fort. Der Waggong ist damals immer eine Pflichtveranstaltung für viele Hiphopper aus Erfurt, Ilmenau, Jena und natürlich Weimar. Tracks wie „I got 5 on it“ von Luniz bringen die „Bude“ regelmäßig zum Brennen. Hiphop in da Club ist damals Underground und somit echte Mangelware!

DJ Shame reist mit damals 17 Jahren allein in die Geburtsstadt des Hiphops, New York City. Er besucht die Kultstätten und trifft Buckshot, Special ED, Junior Mafia und Mad Lion. Er feiert im Palladium und hört im „Tunnel“ den populärsten DJ der Szene, Funkmaster Flex. Der aggressive und treibende Mixing-Style von Flex inspiriert DJ Shame. Sein Mixtape „60 Minutes of Funk 1“ wird zum meistgehörten Tonträger von DJ Shame. Er kauft an den New Yorker Streetcornern natürlich auch andere Mixtapes, u.a. von DJ Supreme, DJ Clue und Evil D. Natürlich nimmt er auch einen riesigen Stapel des schwarzen Goldes mit.

Wieder Zuhause angekommen macht er sich an ein eigenes Mixtape. „New York Flavour Stix Vol. 1“ wirde veröffentlicht – mit dem Sound aus NYC. Damals irritiert die Leute ein DJ-Mixtape, welches auf Parties verkauft wird. Sowas gab es eher über den Freundeskreis. DJ Shame bekommt viel Kritik, v.a. von Techno-Fraktion dafür.


1997

Aktiv als Writer unter dem Namen „Oral“ („SBA-Crew“).

Er legt thüringenweit auf. In Weimar kommt zum JC Waggong und SC Jakob noch der „JT Vortrefflich“ hinzu. Hier finden bis heute gute Parties statt. Das BOOMSHAKALAKA entwickelt sich mit der Hilfe von Danny Engel (der Clueso zum Aufstieg verhalf) weiter zur großen regionalen Hiphop-Adresse. DJ Shame, Legeres und Ilja stehen mit den verschiedensten Acts aus Europa und Amerika auf der Bühne.

Er veröffentlicht New York Flavour Stix Vol. 2, 3 und 4. Die Tapes haben sich nicht nur in Weimar etabliert – die Auflagen erhöhen sich. Dadurch erlangt er weitere Bekanntheit und bekam neue Gigs. Man kann die Mixtapes zu dieser Zeit ausschließlich auf Parties erwerben. Viele Leute haben DJ Shame erstmals durch seine Mixtapes wahrgenommen. Die Tapes werden regelmäßig im Freundeskreis rumgereicht und um ein vielfaches kopiert. Es gibt einige Leute, die durch das Hören der Tapes bei älteren Geschwistern zum Hiphop gekommen sind. Solche Geschichten machen natürlich stolz!

DJ Shame gründet mit DJ Légerès das Mixtape-Label „Goldmine Tapes“. Die erste Veröffentlichung unter diesem Dach ist „No Gimmickz – Part 5“ von DJ Shame.


1998

DJ Shame legt nicht nur in Thüringen, sondern auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und später in Schleswig-Holstein auf. Das BOOMSHAKALAKA wächst zur richtigen Zeit heran und kann so vom beginnenden deutschen Hiphop-Boom partizipieren. Der Andrang ist damals oft so groß, dass viele Leute vor der Tür bleiben müssen. Das BOOMSHAKALAKA begrüßt u.a. die „Absoluten Beginner“, „Fettes Brot“, „Waxolutionists“, „Spax“, „DJ Mirko“, „DJ Stylewarz“, „5 Sterne Deluxe“, „MC Clueso“ (damals noch), „Dynamite Deluxe“, „DJ Tomekk“, „Doppelkopf“, „Flowin Immo“, „Deichkind“ und dass meist nicht nur einmal! Unvergessen ist ein Auftritt mit den „X-Ecutioners“, bei welchem DJ Shame mit „Roc Raider“ zusammen cuttet. Auf all diesen Konzerten gibt er als BOOMSHAKALAKA-DJ abwechselnd mit Legeres, Ilja und Sent den Support. Die Afterparties im Kassablanca sind in dieser Zeit legendär geworden!

Unvergessen bleibt auch ein Auftritt auf dem Kassablanca-Truck auf der Loveparade ‘98 in Berlin. DJ Shame rockte das internationale Publikum mit Hiphop-Reggae und Dancehall-Tunes. Neben Live-Raggamuffin wurde den Partypeoples das gesamte Spektrum elektronischer Musik aus dem Kassa geboten. Mit dabei waren u.a. DJ Legeres, Ilja und die Wighnomy Brothers.

Er eröffnet mit Piet den „Goldmine Store“ in Weimar. Bis 2001 dient er nicht nur als Platten-, Klamotten- und Dosenlieferant, sondern auch als Stützpunkt für die hiesige Szene.

Nachdem DJ Légerès „Nuggets“ auf Goldmine Tapes herausbrachte kontert DJ Shame mit „The Real Deal – Part 6“ und später mit dem heute bekanntesten Shame-Tape„To Da Beat Ch’all – Part 7“. Die Tapes werden nun auch über Platten- und Szeneläden in Erfurt, Weimar und Jena vertrieben.


2001

Er legt unvermindert auf. Beim BOOMSHAKALAKA ist weniger Andrang als in den letzten beiden Jahren, aber es ist stets ausgelastet. In den folgenden Jahren bekommen die Hiphop-Fans der 90er viele US-Größen aus dieser Zeit zu Gesicht. DJ Shame steht u.a. mit „J-Live“, „Unspoken Heard“, „Bahamadia“, „Bush Babees“, „Masta Ace“, „Brand Nubian“, „The Pharcyde“, „Camp Lo“, „Souls of Mischief“, „Large Professor“, „Ed O.G“, „Mr. Lif“, „Grand Agent“, u.v.m. auf der Bühne. Für ihn sind in dieser Zeit viele Jugendträume wahr geworden. Zum Glück hält er jeden einzelnen dieser Gigs mit seiner Cam fest!

Die Veranstaltungen im JC Waggong, SC Jakob und JT Vortrefflich (Weimar) werden im Zuge des allgemeinen Hiphop-Hypes durch größere Lokalitäten wie das Mon Ami (erst Beatzeria, später Golden Minutes), Gaswerk usw. ersetzt. Das Club-Jahrzehnt ist angebrochen. Deutscher Hiphop tritt wieder langsam in den Hintergrund. Black-Beat-Clubs sprießen in den folgenden Jahren wie Pilze aus dem Boden. Hiphop wird von der breiten Masse als Popmusik verstanden. Einige Teile der Szene ziehen sich komplett zurück, andere wandern zum Black-Beat ab. Ein Rest von Real-Headz bleibt. Die Hiphop-Gemeinde wird gespalten. Jams sind Mangelware und echter Hiphop wird wieder in kleinen Clubs, wie zu Beginn der 90er Jahre, gefeiert. DJ Shame legt in Weimar, Jena und Erfurt auf. Jedoch gehen die überregionalen Gigs zurück.

Auch „DJ Norman D“, „DJ Malik“, „DJ Sent“, „DJ Laik“ (Woodlyn), „DJ Ilja“ und sogar die „Wighnomy Brothers“ beginnen ihre Mixes über Golmine Tapes zu releasen. Der Höhepunkt ist die Veröffentlichung des „Supercup“-Mixtapes. Ein Goldmine-Allstar-Tape mit Mixes von den DJ’s Shame, Malik, Legeres und Norman D. Es wird deutschlandweit vertrieben und weit über 1.000-mal abgesetzt. DJ Shame selbst hält sich in der Zukunft beim Mixtapereleasing im Hintergrund.


2008

DJ Shame legt unvermindert seinen Real-Hiphop auf. Das Club-Jahrzehnt tut sein übriges. Echten Hiphop und Jams muss man immer noch suchen. Beim BOOMSHAKALAKA ist in den vergangenen 3 Jahren eine Flaute im Gange. Bei guten Veranstaltungen sind maximal die Hälfte der Leute im Haus, wie zu Bedinn der Dekade. Der Black-Beat-Boom hält an! Zu viele dieser Veranstaltungen halten potentielle junge Hiphop-Fans und Aktivisten gänzlich im Hintergrund oder ziehen diese an. Real-Hiphop hat es schwer. Das Kassablanca bedient sich der „Turmbühne“, ein am Lokschuppen neu angebauter kleiner Clubbereich, der den Turm integriert. Hier finden ca. 200 Leute Platz. Wir erinnern uns an die Turmzeiten, wo das BOOMSHAKALAKA 1996 seine ersten Veranstaltungen durchführte. Bis auf die Musik ist alles irgendwie wieder wie Anfang der neunziger Jahre.

DJ Shame legt auch überregional wieder verstärkt auf. Es zieht ihn privat nach Frankfurt am Main.

In Weimar ist ebenfalls eine Flaute eingetreten. Im Mon Ami gibt es keine Hiphop-Veranstaltungen mehr. Auch die kleinen Parties, wie im JT Vortrefflich, sind spärlich gesäht. Ab und zu legen DJs wie Wretch, Wildstyle, Rascal und DerbYstar auf privaten Parties auf. Allein ein neuer Club, dass Klock 11, macht einige Veranstaltungen. U.a. legt dort auch DJ Shame auf. Echter-Hiphop geht gänzlich zurück. Viele potenzielle Hiphop-Fans und Aktivisten wanden zu anderen Musikrichtungen, wie Elektro, House, D&B und Mash-Up ab. DJ Shame hört man selten live in Weimar, etwa ab und an im „C-Keller“. Er beschließt organisationell aktiv zu werden und sucht einen Partner mit dem er in dieses Geschehen eingreifen kann. Mit Wretch (ehem. DJ Tight) hat er den richtigen gefunden. Er lernt ihn im C-Keller bei einem Gig kennen, als Wretch guten Hiphop aus den 90ern auflegt. Trotz des Altersunterschieds von 10 Jahren teilen sie ähnliche Ansichten. Sie schmieden gemeinsam ein Konzept zur Durchführung von authentischen Hiphop-Veranstaltungen in Weimar und Umgebung. Das Projekt trägt alsbald den Namen „4 elements club“. Gegen Ende 2008 steht die 4. Veranstaltung im Kasseturm an. Hiphop wird im Rahmen einer Club-Veranstaltung, unter Einbindung der 4 Elemente, im ursprünglichen Sinne zelebriert (mehr zum 4 ec-Konzept gibt es unter dem Register „4 elements club“ nachzulesen). Der 4 ec hat sich – trotz seines Anspruchs – mittlerweile etabliert. Die Veranstaltungen werden von mal zu mal besser und die Besucherzahlen sprengen z.T. den Rahmen des Möglichen. Die Leute verstehen den Hintergrund, erkennen den Wert und nehmen das Angebot an. Das ist heute keine Selbstverständlichkeit! Die harte Arbeit hat sich gelohnt – in Weimar ist für eine Alternative zum Black-Beat gesorgt und der regionale Hiphop hat ein neues Forum! DJ Shame und Wretch erreichen mit dem Projekt überregionales Interesse. Viele Leute mit ähnlichem Verständnis haben das Konzept im Internet gelesen, sind davon begeistert und schreiben ihnen Feedbacks.

4ec support

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